Risiko-Beteiligungen am Scheideweg

23. Dezember 2010

istock_000012216672xsmallUnternehmensgründungen benötigen externes Kapital, da das Kapital der Gründer in den seltensten Fällen ausreicht, um sowohl das Produkt als auch die Markt­einführung zu finanzieren. Auch die Markterweiterung kostet Geld – Geld, das in der Vergangenheit häufig von Risikokapital-Gesell­schaf­ten (kurz VC-Gesellschaften) zur Verfügung gestellt wurde. Aber die Branche der Risikokapitalgeber kann diese Aufgabe in Folge der Wirtschaftskrise der letzten Jahre nicht mehr im erforderlichen Umfang wahrnehmen. Meldungen wie „Showdown für Venture Capital“ im Harvard Business Manager 12/2010 oder „Private Equity – Zu früh für einen Nachruf“ der Deutsche Bank Research 6/2009 schrecken auf und weisen auf ein aktuelles Problem hin: die für Risikokapital neu eingeworbenen Finanzmittel betrugen 2009 weltweit nur noch 25 US-Milliarden Dollar im Vergleich zu 160 Milliarden US-Dollar im Jahr 2000.


Insider sind davon überzeugt, dass es sich bei dieser Krise nicht nur um eine konjunkturelle, sondern auch um eine strukturelle Schwäche handelt: Das Prinzip von Risikokapital – breite Streuung von Investments und hohe Gewinne mit einigen wenigen erfolgreichen Beteiligungen – funktioniert heute nicht mehr. Unternehmen – auch die der New Economy – wachsen heute nicht mehr so schnell als dass durch ihre Gewinne eine Vielzahl von erfolglosen Unternehmen kompensiert werden könnte, Börsengänge sind seltener und die Kurssteigerungen von Börsenneulingen sind eher moderat.

Risikokapital-Gesellschaften agieren mit fremdem, eingeworbenem Geld und sind an die in den Prospekten angegebenen Investitionsstrategien gebunden. Sie investieren auch überwiegend in Firmen, die schon ein marktreifes Produkt haben und für die Vermarktung einen hohen Kapitalbedarf haben. Diese Gesellschaften, sofern sie nach dem Risikokapitalgesellschaften-Gesetz anerkannt sind, unterliegen weiteren gesetzlichen Einschränkungen. Sie dürfen insbesondere keinen zu starken Einfluß auf die Geschäfte des Unternehmens nehmen und sich nicht aktiv am Management beteiligen. Nur wenn diese Bedingungen eingehalten werden, sind diese Gesellschaften mit ihren Gewinnen steuerlich besser behandelt als normale Konzernunternehmen.

Die Renditen der VC-Gesellschaften waren in den letzten 10 Jahren eher bescheiden und wenn man die durchschnittliche Rendite der Wagniskapitalbranche der letzten 30 Jahre von weltweit 3% per annum betrachtet, gerät man hinsichtlich des bisherigen Geschäftsmodells der Branche ins Grübeln. Seit dem „Goldenen Zeitalter der Risikokapital-Beteiligungsgesellschaften“ von 1980 bis 1997 mit Gewinnen von bis zu 22% hat das Nutzenversprechen der Gesellschaften ihren Investoren und Beteiligungsunternehmen gegenüber stark an Attraktivität verloren. Dies erklärt, dass der Wert der Investitionen im Jahre 2009 auf dem niedrigsten Stand seit 1997 war. Die Attraktivität von Wagniskapital für Investoren nimmt auch deshalb ab, weil der Investitionszeitraum bis zur Rentabilität deutlich länger geworden ist. Die Risiko­beteiligungs­gesellschaften müssen jetzt eine hochriskante Anlageform mit geringerer Rendite anbieten als andere Anlageformen.

Inzwischen scheint sich zwar eine Verbesserung der Situation abzuzeichnen (Technology Review 7/2010) allerdings handelt es sich hierbei voraussichtlich nicht um eine große Kehrtwende bzgl. der Finanzsituation. Die Zukunft der Branche ist nach wie vor sehr kritisch zu bewerten: sowohl die Zahl der Beteiligungs­gesell­schaften als auch die Anzahl der Investmentprofis pro Gesellschaft dürfte in den nächsten Jahren um bis zu 50% schrumpfen (vgl. hierzu Harvard Business Manager 12/2010). Einzige Chance zum Überleben dürfte für die nicht zur Spitzenklasse gehörenden Gruppe von Risikobeteiligungsgesellschaften die Entwicklung von neuen und spezialisierten Strategien sein. Und man wird sich rückbesinnen müssen auf eine Unterstützung und eine Beratung der Unternehmensbeteiligungen, die nahe am Geschäftsalltag sind. In Zukunft muss es für die VC-Gesellschaften das primäre Ziel sein, zusammen mit den Gründern ein erfolgreiches Unternehmen auf­zu­bauen und dazu darf der Investor nicht mehr reiner „Finanz­investor“ sein, sondern er muss in das Management aktiv ein­ge­bunden werden.

Sollten sich Beteiligungsgesellschaften aktiv am Tagesgeschäft beteiligen?

Welche Qualifikation benötigen Beteiligungskapital-Manager, damit ihre Beteiligung am Tagesgeschäft von den Unternehmensgründern akzeptiert wird?
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Autor: Dr. W. Kreitmair-Steck, 4i Management Consulting
Email: w.kreitmair@4i-mc.de